Sexualberaterin Silva Schwabe: "Männer haben ein ganz anderes Körpergefühl"

Sexualberaterin Silva Schwabe: "Männer haben ein ganz anderes Körpergefühl"

Sexualberaterin Silva Schwabe: "Männer haben ein ganz anderes Körpergefühl"

Die Sexualberaterin Silva Schwabe befähigt ihre Klienten mit Hypnose – persönlich oder in digitaler Form – zu besserem Sex. Ein Gespräch über Lust-Blockaden aus dem Unterbewusstsein, irre Potenz-Ideen und wie man Frauen hilft, sich fallen zu lassen …

Frau Schwabe, Sie sind Hypnotiseurin und Sexual Coach. Mit welchen Problemen kommen Klienten und Klientinnen besonders oft zu Ihnen?

Männern helfe ich häufig bei Erektionsstörungen, Frauen vor allem bei Orgasmusproblemen. Viele Klientinnen, die zu mir kommen, haben noch nie einen Orgasmus gehabt oder brauchen sehr lange, um einen zu bekommen.

Wie kann man sich eine Behandlung bei Ihnen denn vorstellen?

Zuerst mache ich eine Sexual-Anamnese, um mir einen Überblick zu verschaffen. Denn schließlich ist man gerade im Bereich der Sexualität unglaublich angreifbar und verletzlich. Ich schaue mir an, wie die Sexualität gereift ist, wie das Selbstbefriedigungsverhalten ist, wie die aktuelle Beziehung ist und wie die Ex-Beziehungen waren. Ich versuche herauszufinden, ob es Fantasien und Wünsche gibt, die eine Person nicht ausgelebt hat oder sich nicht eingestehen möchte. In den Sitzungen arbeite ich dann mit Hypnosetechniken und Mentaltrainingsmethoden und helfe den Menschen so, einen Zugang zu sich zu finden und Blockaden zu lösen.

Welche mentalen Blockaden haben Männer denn besonders häufig?

Häufig ist es die Scham, mit der Partnerin zu sprechen. Manchmal auch der Frust, weil direkte Ansprachen nicht den gewünschten Effekt gezeigt haben.

Wie redet man denn am besten über seine sexuellen Wünsche und Bedürfnisse?

Am besten ist es, bei sich selbst zu bleiben und Ich-Botschaften zu senden. Also zu sagen: „Ich würde mir wünschen, dass …“ Wenn die Beziehung im Großen und Ganzen passt und nur etwas eingerostet ist, sollten die Ich-Botschaften ankommen, und ein respektvolles Gespräch sollte hier kein Problem sein. Wenn es nicht so ist oder die Scham überwiegt, ist das ein Indiz dafür, dass die Blockaden viel tiefer liegen. Bei Männern ist so eine oftmals wirklich sehr starke und tief sitzende Blockade der Gedanke „zu versagen“. Diese Blockade reicht meist bis in die Kindheit zurück.

Was steckt dahinter?

Die Blockaden aus der Kindheit oder Jugend verankern sich meist in Form von Glaubenssätzen: Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich bin zu dumm. Ich bin ein Versager. Oftmals hat man solche Sätze von den engsten Familienmitgliedern zu hören bekommen – diese haben sich dann fest im Unterbewusstsein verankert. Eine große Rolle spielen zudem auch typische Vorstellungen von Männlichkeit.

Weil sie Druck verursachen?

Ja, viele Männer haben den Eindruck, sie müssten „oft können“ und länger durchhalten beim Sex, um nicht als Schlappschwanz dazustehen. Oftmals erwarten Männer auch von sich, sehr potent sein zu müssen und die Erektion gut und lange aufrechterhalten zu müssen, damit sie der Partnerin Freude bereiten können. Auch die Penisgröße spielt in den Männlichkeitsvorstellungen eine wichtige Rolle.

Dabei spielt sie gar keine so wichtige Rolle bei der Befriedigung der Frau.

Ja, aber viele wissen nicht, dass die Größe relativ unwichtig ist für den Orgasmus der Frau. Am wichtigsten ist ohnehin ein ausgiebiges Vorspiel, da die Erregungskurve der Frau anfangs flacher ist als bei den Männern. Sie muss erst in Fahrt kommen.

Warum ist die Hypnose gut dafür geeignet, mentale Blockaden zu lösen?

Hypnose ist der richtige Weg, um tief sitzende Glaubensmuster und Blockaden aufzulösen, weil sie eben dort sitzen, wo die Hypnose hinkommt: im Unterbewusstsein.

Viele halten Hypnose noch immer für unseriös.

Seit dem 27. März 2006 liegt das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie vor, in dem Hypnotherapie anerkannt wird. Ärzte, Zahnärzte, Psychologen und Psychotherapeuten arbeiten schon mit Hypnotherapie. Durch bildgebende Verfahren ist bereits nachgewiesen worden, wie Hypnose im Gehirn wirkt. In der medizinischen Hypnose ist es sogar möglich, Schmerzen komplett abzuschalten. Sie werden einfach nicht mehr wahrgenommen. Hypnose ist schon
lange kein Hokuspokus mehr, nur leider sind wir in Deutschland eines der Schlusslichter in diesem Bereich.

Woher rühren typische mentale Blockaden bei Frauen – etwa die Probleme damit, Orgasmen zu bekommen?

Frauen haben oftmals keine gute Beziehung zu ihrem Körper, sie denken viel nach und sind stressanfälliger. Sie schaffen es oftmals nicht, sich fallen zu lassen, was aber sehr wichtig ist, um einen Orgasmus bekommen zu können. Ich arbeite dann mit ihnen am Stressabbau und daran, den Fokus auf den Körper und das eigene Körpererleben zu setzen. Wir Frauen werden schließlich dazu erzogen, immer im „Außen“ zu sein, zu schauen, dass es den anderen gut geht. Uns selbst vernachlässigen wir manchmal.

Wie können Männer ihre Partnerinnen dabei unterstützen, eine gute Beziehung zu ihrem Körper aufzubauen?

Die Partner können dabei helfen, dass Frauen ihre Bedürfnisse kennenlernen. Es gibt viele Frauen, die wissen nicht mal, wie sie sich ohne Hilfsmittel befriedigen können. Der Mann könnte sagen: „Komm, wir legen uns ins Bett, und ich streichle dich überall am Körper, und du sagst mir, wo es unangenehm oder besonders angenehm ist.“ Ganz wichtig ist es, sich Zeit zu nehmen, sodass die Frau auch wirklich entspannen kann.

Hadern Männer anders mit ihrem Körper?

Ja, Männer haben teilweise ein ganz anderes Körpergefühl als wir Frauen. Die stellen sich vor den Spiegel mit ihren Bäuchen und sagen: „Passt schon.“ Dadurch haben sie auch kein Problem damit, verschiedene Sexstellungen auszuprobieren. Es stört sie nicht unbedingt, wenn das Bäuchlein drüberhängt. Was bei den Männern der Leistungsgedanke ist, ist bei Frauen die Sorge ums Aussehen. Dabei ist beim Sex beides vollkommen nebensächlich.

Mehr Infos zu Silva Schwabe unter www.die-orgasmusfluesterin.de.

Autor: Julia Haase

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