German Muscle Car: 50 Jahre Opel Manta

German Muscle Car: 50 Jahre Opel Manta

German Muscle Car: 50 Jahre Opel Manta

Vor 50 Jahren fand als erstes DEUTSCHES MUSKEL-AUTO der OPEL MANTA seinen Weg auf die Straße. Und in die Herzen der Tuning-Szene. So wurde er zum Star: als Kultobjekt, Proll-Klischee und kinoreifer Klassiker.

"Wenn du mit dem Schlitten durch die Stadt fährst, die Fenster auf und die Anlage voll aufgedreht bis zum Anschlag, das ist mehr als nur Auto fahren“, schwärmte einst Til Schweiger in Bernd Eichingers Filmkomödie „Manta, Manta“ über das Lebensgefühl eines Manta-Fahrers. „Das ist ein Gefühl von Freiheit, das ist total geil, das ist unbeschreiblich.“ Der Film wurde zum Überraschungserfolg und genießt heute, knapp 30 Jahre später, Kultstatus. Doch die Geschichte des Opel Manta geht weiter zurück, genauer gesagt, 50 Jahre.

Denn der Manta war nicht von ungefähr zum Kino-stoff geworden. Er hatte automobile Träume beflügelt und die im Film persiflierte modische Subkultur begründet – als Antwort auf die amerikanischen Pony-Cars und Meilenstein der deutschen Automobilgeschichte. In den 1960er-Jahren hatten in den USA Autos wie der Ford Mustang oder Chevrolet Camaro die neue Fahrzeugkategorie der Pferdchen-Wagen etabliert: Die sportlichen Coupés und Cabrios waren vom Design aggressiv und dynamisch, lagen aber preislich deutlich unter dem Level teurer europäischer Sportwagenhersteller wie Ferrari, Porsche oder Mercedes. Es waren Sportwagen für jedermann.

Im Jahr 1969 wollte Ford diesen Erfolg in Gestalt des Ford Capri – ausgestattet mit einem 50-PS-Reihen-4-Zylinder und später mit einem brachialen 2,3-Liter-V6-Doppelvergaser mit 125 PS – auf den europäischen Markt übertragen. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Allein im ersten Produktionsjahr lief der Capri 210.000-mal vom Band und brachte damit deutsche Hersteller in Zugzwang. Also entschied man sich bei Opel kurzerhand, den bereits sehr weit entwickelten Nachfolger des Kadett B etwas aufzumöbeln und gegen den Ford Capri als bezahlbaren Sportwagen für junge Menschen und Familienväter ins Rennen zu schicken: die Geburt des Opel Manta. Der Name und das Manta-Rochen-Emblem am vorderen Kotflügel waren übrigens inspiriert von Aufnahmen des berühmten Meeresbiologen Jacques Cousteau, den Opel-Designer George Gallion auf der Suche nach der optimalen Gestaltung des Wappentiers konsultiert hatte. Schon kurze Zeit später, im September 1970, präsentierte man an der Ostsee, am Timmendorfer Strand, das neue Modell.

DER NAME

Der Name des Opel Manta geht auf Giorgio Giugiaro und dessen Firma Italdesign zurück. Der berühmte italienische Karossier präsentierte 1968 ein futuristisches Concept-Car namens Manta. Das gefiel den Managern in Rüsselsheim so sehr dass sie Giugiaro die Namensrechte abkauften. Inspiration für die Ausgestaltung des seitlichen Emblems lieferte der Meeresforscher Jacques Costeau.

Die Kombination aus schnellem Fließheck, langer Motorhaube und einer Doppelscheinwerfer-Front im Stil italienischer Sportwagen verschaffte dem Manta einen extrem dynamischen Look, auch wenn der 1,6- beziehungsweise 1,9-Liter-Reihen-4-Zylinder mit maximal 90 PS natürlich nicht an die V6-Maschine des Capri herankam. Trotzdem wurde der Manta zu einem Riesenerfolg für Opel, insgesamt verkaufte man bis 1975 knapp eine halbe Million Fahrzeuge. Und zahlreiche Sondermodelle ergänzten das Portfolio, insbesondere der weiße „Swinger“ mit den rot-orangen Zierstreifen an der Seite sowie der ganz in Schwarz gehaltene „Black Magic“ sind heute unter Sammlern geschätzt und begehrt. Diese später als Manta A bezeichnete Modellreihe hat jedoch nur wenig mit dem später legendären Proleten-Ruf des Manta zu tun.

Das sollte sich mit dem Manta B ändern. Eingeführt im Jahr 1975, lief die zweite Serie bis ins Jahr 1988 – und wurde mit über einer halben Million verkaufter Einheiten die längste unverändert am Markt erhältliche Modellreihe von Opel. Einen Achtungserfolg für das Modell erzielten die beiden Rennfahrer Guy Colsoul und Alain Lopes, als sie im Jahr 1984 auf einem Manta B bei der renommierten Rallye Paris–Dakar die Wertung der nicht allradgetriebenen Fahrzeuge gewannen und sogar den vierten Platz im Gesamtklassement hinter drei allradgetriebenen Konkurrenten erreichten. Ihr Fahrzeug: der exklusive Manta 400, von dem, wie der Name schon andeuten soll, nur 400 Stück gebaut wurden. Er gilt mit seinem 144 PS starken 2,4-Liter-Motor als der muskulöseste Vertreter der B-Baureihe.

DER DESIGNER

George Gallion wechselte 1966 von General Motors zu Opel nach Rüsselsheim. Dort war er vier Jahrzehnte lang für die Gestaltung der Opel-Modelle verantwortlich. Auf seinem Zeichenbrett entstanden mehrere Auto-Ikonen - neben dem Manta zum Beispiel auch der Monza und die Studie Opel CD.

Der Erfolg war Segen und Fluch zugleich. Denn in der PS-verliebten Ära der 80er-Jahre avancierte der Manta B zum Tuning-Objekt einer wachsenden Fan-Gemeinde. Wem das nötige Kleingeld für einen kostspieligen Manta 400 fehlte, der versuchte zumindest, aus seiner 1,6- oder 1,9-Liter-Maschine das Maximale an Performance herauszuholen. Und wenn diese erreicht war, ging es an den optischen Feinschliff: Vom extrabreiten Heckspoiler über die tiefergelegte Karosserie bis zum Fuchsschwanz an der Antenne wurde der Manta so exzessiv ausgestattet, wie Geldbeutel und TÜV es erlaubten. So wandelte sich das ursprüngliche Bastler- und Tuner-Objekt zum vierrädrigen Angeber-Traum des Manta-Fahrer-Prolls, der auf den Namen Manni hört, Cowboystiefel trägt, eine blonde Friseurin als Freundin hat und dem Ruhrpott-Ausruf „Boah ey!“ zu bundesweiter Verbreitung verhalf.

Höhepunkt dieser Entwicklung waren die beiden Filme „Manta – Der Film“ sowie „Manta, Manta“, die ironischerweise erst im Jahr 1991, also drei Jahre nachdem der letzte Manta vom Band gelaufen war, in die Kinos kamen. Die schräge Story rund um den Proleten Berti und seinen hochglanzgetunten Manta machte übrigens nicht nur Til Schweiger über Nacht zum Star, sondern auch Tina Ruland, unsere Miss März 1988, in der Rolle seiner Freundin Uschi. Der Film zog 1,2 Millionen Besucher in die Kinos und war der längste Kulturbeitrag aus dem Genre der Manta-Späße. Noch bis ins 21. Jahrhundert hatten Gags im Stil von „Kennst du den kürzesten Manta-Witz? Steht ein Manta vor der Uni“ Konjunktur. Auch das Stigma gehört zur Auto-Ikone. Gerüchten über ein mögliches Comeback des Manta aber stand es nie im Weg.

Bereits im Jahr 1989, als der Manta durch seinen Nachfolger, den Opel Calibra, ersetzt wurde, gab es die ersten dieser Gerüchte. Verstärkt kamen sie wieder auf, als Opel 2018 mit dem GT X Experimental eine vom Ur-Manta inspirierte Elektro-SUV-Studie zeigte. Und Anfang dieses Jahres sagte Opel-Chef Michael Lohscheller in einem Interview: „Wir wollen Dinge, die Opel in der Vergangenheit sehr gut gemacht hat, und dazu gehört der Manta, in die Zukunft übersetzen.“ Seitdem brodelt wieder die Spekulationsküche, dass eine mögliche Rückkehr des Klassikers bereits im Jahr 2022 als Elektro-Manta bevorstehe. Wir würden dazu mit ein bisschen Ironie, aber viel Begeisterung sagen: „Boah ey, geil!“

OPEL MANTA A GT/E SONDERMODELL „BLACK MAGIC“

Geschwindigkeit
188 km/h

Leistung
105 ps

0–100 km/h
10,5 Sekunden

Hubraum
1897 ccm

Gewicht (DIN)
980 kg

Neupreis
14.145 DM

Wert heute
50.000 Euro

Autor: Michael Brunnbauer

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