Die besten Filme aus 2018 bis jetzt

Die besten Filme aus 2018 bis jetzt

Die besten Filme aus 2018 bis jetzt

Direkt vor uns liegt die Oscar-Saison, in der der Wettbewerb noch einmal richtig angeheizt wird, was bedeutet, dass ein paar starke, preisverdächtige Filme bald die Kinosäle überfluten werden - First Man, Roma, A Star Is Born; darunter auch fantastische Auftritte von Melissa McCarthy in Can You Ever Forgive Me?, Nicole Kidman in Destroyer und Emma Stone in The Favourite. Aber vertu dich nicht. Das Jahr 2018 hat schon einige außergewöhnliche Filme in die Kinos gebracht, die dynamisch und eindringlich waren, und sich von den Kandidaten des letzten Quartals nicht so einfach verdrängen lassen werden.

Annihilation

Von Paramount an Amazon verkauft, als die Zuschauer von der Vorschau des futuristischen Thrillers mit Natalie Portman verwirrt und frustriert waren, ist Annihilation (dt. Auslöschung) der kühnste und außergewöhnlichste Science-Fiction seit langer Zeit. Alex Garland, Regisseur von Ex-Machina, vollbrachte etwas Wunderbares mit Jeff VanderMeers trippigem, alptraumhaftem Bestseller, in dem ein weibliches Team bizarre Vorkommnisse und mehrfaches unerklärliches Verschwinden in einer Area X genannten Quarantänezone von Florida untersucht. Er machte daraus eine außergewöhnliche, traurige, traumähnliche, entsetzliche und zutiefst mysteriöse Achterbahnfahrt, die zu den Vorgängern von 2001 passt: A Space Odyssey (dt. Odysee im Weltraum), Blade Runner, Deliverance (dt. Beim Sterben ist jeder der Erste) und Apocalypse Now. Trotz seiner surrealistischen und verfolgenden Bilder - Tier-/Mensch-Hybriden laufen wild herum und menschenfressende Pflanzen haben psychedelische Farben - und starken Auftritte von Portman, Gina Rodriguez, Jennifer Jason Leigh und Tessa Thompson, gibt es tatsächlich immer noch irgendwelche altmodischen Käuze, die darüber diskutieren, ob es da tatsächlich etwas gibt. Tipp: Es gibt etwas. Die Auslöschung verfolgt uns.

Black Panther

Eine aufregende Nacht im Kino, denn Black Panther ist Marvels bestes, reichhaltigstes, überzeugendstes und angenehmstes Angebot bis zum heutigen Tag. Dass er auch soziale Relevanz hat – er setzt neue Maßstäbe in Bezug darauf, wie Hollywood die afrikanisch-amerikanische Identität und das Empowerment und den emotionalen Komplex darstellt - macht ihn umso besser, vor allem, wenn klar wird, dass der bescheidene Held T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman) ein leidenschaftlicher, gemäßigter Charakter im Stil von Martin Luther King ist, während sein größter Widersacher, sein wutentbrannter, von Black Power angetriebener Cousin Killmonger (Michael B. Jordan, der zerstört) ein Malcolm X ist. Der begabte Ryan Coogler (Creed), der zusammen mit Joe Robert Cole das Drehbuch schrieb, das auf Stan Lee und Jack Kirbys Comic von 1966 basiert, stellt die actionreichen und emotionalen Szenen mit gleicher Leidenschaft und Anmut dar. Die Darstellungen der Frauenkriegerin und Leibwächterin Okoye (Danai Gurira), seiner humanitären Spionin (Lupita Nyong'o), seiner brillanten jungen Schwester (Letitia Wright) und seiner stolzen, mächtigen Mutter (Angela Bassett) haben vielen anderen Hollywood-Filmen etwas voraus, ganz zu schweigen von diesen epischen Popcorn-Filmen. Es ist ein Superheldenfilm mit Herz, Seele und Sinn.

The Death of Stalin

Die schärfste, wildeste und erschreckendste politische Tragikomödie des bisherigen Jahres spielt im Jahr 1953 während des Machtkampfes nach dem Tod des notorisch monströsen, verwirrten russischen Diktators und basiert auf einen Comicroman von Fabien Nury und Thierry Robin, und dem Autor-Regisseur Direktor Armando Iannucci, dem bissigen und brillanten kreativen Kopf hinter der BBC-Serien „The Thick of It“ und „HBO's Veep“. Die Lacher sind so kräftig und reichhaltig wie das Gefühl der Angst und Paranoia, das die gewalttätige Ära des Großen Terrors kennzeichnete. Die messerscharfe Wiedergabe von Iannuccis Cast - mit Steve Buscemi als Landwirtschaftsminister Nikita Chruschtschow, dem furchteinflösenden Zuchtmeister (Jason Isaacs), Stalins Nachfolger (Jeffrey Tambor) und Stalins Außeninister Molotow (Michael Palin) sowie Andrea Riseborough und Rupert Friend als den Kindern des Diktators - macht die Macht umso gruseliger und lustiger. Düster, wundervoll und irgendwie kathartisch, besonders wo unsere Welt von den Launen, Feindschaften und Zankereien einiger nachweislich geisteskranker Politiker abhängt.

Eighth Grade

Der gelungene Debütfilm des Drehbuchautors und Regisseurs Bo Burnham ist ein lustiger, herzzerreißender, schneidend ehrlicher Blick darauf, wie schrecklich die Erfahrung der Mittelstufe sein kann. Du erinnerst dich noch an die achte Klasse, oder? Die Spannung des Films - der ein bisschen wie Lady Bird unter der Regie von Larry Clark ist - konzentriert sich darauf, wie sich die schüchterne, introvertierte und übergangene Kayla (wunderbar von Elsie Fisher gespielt) versucht, sich über Wasser zu halten, während sie durch das Haifischbecken ihrer letzten Woche der Mittelstufe schwimmt. Von ihren Mitschülern zur „Leisesten" gewählt, verbringt Kayla den Großteil ihrer Zeit damit, auf Instagram und Snapchat eine aufgeschlossenere Version von sich selbst darzustellen, sich in einen unglücklichen, nicht besonders intelligenten Jungen zu verknallen und sich selbst gegenüber ihrem freundlichen und sanften Vater (Josh Hamilton) abgrenzend und unerreichbar zu verhalten. Ein beliebter, hübscher Klassenkamerad lädt sie zu einer Geburtstagsparty ein und sagt: „Meine Mutter hat gesagt, dass ich dich einladen soll. Also mache ich es.“ Offenbar bekommt Burnham von seinen jungen Darstellern große Hilfe bei jeder Zeile des Dialogs, jeder Geste und jedem winzigen und unauslöschlichen Akt der Erniedrigung. Kayla ist kein Kind aus einem Film von John Hughes oder aus Mean Girls. Wenn jemand sie kritisiert, klappt sie zusammen. Ihr Leiden und ihre Angst fühlen sich so echt und authentisch an, dass wir nicht anders können, als uns in sie einzufühlen. Eighth Grade ist ein Glanzstück.

First Reformed

Das schroffe Porträt des Autors und Regisseurs Paul Schrader über die Glaubenskrise eines unruhigen, alkoholkranken, einst verheirateten Geistlichen namens Toller - hervorragend gespielt von Ethan Hawke - ist streng, elegant und düster. Die Dinge beginnen sich aufzulösen, als eine junge Frau (Amanda Seyfried) Toller um Beratungshilfe für ihren tief deprimierten und desillusionierten Ehemann (Philip Ettinger), einem Umweltaktivist, bittet, der sich dagegen wehrt Vater zu werden, weil er davon ausgeht, dass sich der Planet ins Unheil stürzt. Sorgfältig und mit langen Kameraeinstellungen und einem meditativen Tempo gedreht, das an die Arbeit von Schraders Filmhelden des internationalen Kinos und Meistern der Selbstbeherrschung - wie Robert Bresson, Yasujiro Ozu und Carl Theodor Dreyer- erinnert ist First Reformed eine spannende Rückkehr zur Form des Mannes, der Taxifahrer schrieb und die letzte Versuchung Christi adaptierte. Es ist alles dabei - Schraders fortwährende Erkundung dessen, was Männlichkeit ausmacht, seine wiederkehrenden Porträts von Isolation und Unzufriedenheit, das klaustrophobische Gefühl, dass die Wände näher kommen. Wir heißen Schrader willkommen, um Filme zu machen, die von Bedeutung sind.

Leave No Trace

Die Autorin und Regisseurin Debra Granik (Winter's Bone) hat mit diesem eindringlichen und kraftvollen Drama, das auf Peter Rocks 2009 erschienenem Roman My Abandonment basiert und von einer 13-jährigen (Thomasin Harcourt McKenzie in einer fantastischen Performance) handelt, die mit ihrem Vater, einem am PTSD-Syndrom leidenden Veteranen (Ben Forster in einer seiner intensivsten Rolle), in den Bergen in der Nähe von Portland, Oregon, lebt, eine Glanzleistung erzielt. Sie leben - relativ gut – von der Hand in den Mund, bis sie von den Behörden für das Leben auf öffentlichem Gelände verhaftet und von der Maschinerie der Bürokratien und „Zivilisation" der Gesellschaft verstrickt werden. Von einem wohlmeinenden Sozialarbeiter in den ländlichen Wohnraum versetzt, muss der Vater zur Arbeit und die Tochter zum ersten Mal zur Schule gehen. Die eine nimmt die Situation an, der andere weitaus weniger. In einem Amerika mit gebrochenen Versprechungen und vorhersehbaren Besitzern und Besitzlosen, ist der sorgfältig ins Detail gehende, wunderschön gespielte Film kompromisslos und faszinierend.

Mission: Impossible—Fallout

Mission: Impossible-Fallout dröhnte in die Kinos, als wir uns sicher waren, dass das moderne Hollywood nicht einmal mehr einen Vier-Sterne-Popcorn-Blockbuster produzieren kann, der uns dazu bringt, uns direkt in Filme zu verlieben. Von Christopher McQuarrie mit Witz, Präzision, einem halsbrecherischen Tempo und einer wissenden Wertschätzung für die Franchise-Geschichte gedreht und geschrieben, machte der Film Tom Cruises Charakter Ethan Hunt nicht nur cool, sondern enthüllte auch den schnauzbärtigen Henry Cavill als Draufgänger und knochenbrechenden Hingucker. Und was ist mit diesen für Aufsehen sorgenden Actionszenen, dem Hubschraubergefecht und einer waghalsigen Schlägerei in einem Männerzimmer? Das einzige Problem: Wo kann ein Adrenalin-Filmjunkie seine Dosis bekommen, wenn er nicht Mission: Impossible Fallout auf der größten möglichen Leinwand wieder zu sehen bekommt?

Paddington 2

Ja, ich weiß. Aber verdammt, diese Fortsetzung des 2015er Hit Paddington ist einfach fesselnd, überraschend, witzig, visuell überwältigend und wunderbar freundlich von Anfang bis Ende. Diesmal ist der kleine Bär (Ben Whishaw spricht ihn perfekt) gemütlich in seiner Windsor Gardens Wohnung bei der Brown Familie (Hugh Bonneville, Sally Hawkins und den Kindern Madeleine Harris und Samuel Joslin), vergisst aber nie seine verwitwete Tante Lucy, die bald 100 werden wird. Paddington macht verschiedene Gelegenheitsjobs, um Geld zu sparen und das ideale Geburtstagsgeschenk für Lucy zu kaufen. Dann, als er es bekommt, nimmt jemand es heimtückisch an sich - keine Namen, aber die Nebendarsteller sind Peter Capaldi, Jim Broadbent, Hingucker Hugh Grant und Brendan Gleeson, denk dir den Rest. Der Blick, den der Film auf die Anti-Ausländerpolitik wirft, ist ebenso willkommen wie die Philosophie des Titelhelden, nämlich sich über alles zu erheben: Was du nicht willst, das man dir tu...

The Rider

Auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota erleidet ein junger Pferdetrainer und Rodeo-Champion (Rodeo-Star Brady Jandreau), der wilde Pferde reitet, verheerende gesundheitliche Schäden, als ihm ein Pferd den Schädel zertrümmert. Es folgen grauenhafte Krampfanfälle, Koma und ständige Übelkeitsattacken. Dies ist ein sehr bewegender und typisch amerikanischer Powerhouse-Film, der sich wirklich lohnt, denn er erforscht den unwiederbringlichen Verlust und die Hartnäckigkeit des Cowboys (The Cowboy) in unserer kollektiven Mythologie. Indem sie sich Zeit lässt und uns in eine nachdenkliche Stimmung versetzt, bringt uns die chinesisch-amerikanische Regisseurin Chloe Zhao (Songs My Brothers Taught Me) das Leben der Menschen der Sioux-Gemeinde näher. The Rider zeigt das zutiefst nachempfundene Lebenswerk von Jandreau, seinem wahren Vater und seiner wahren Schwester. Poetisch, frei und hinreißend schön, ist dies sicherlich eines der großen Kinoerlebnisse des Jahres.

You Were Never Really Here (dt.A Beautiful Day)

Joaquin Phoenix spielt eine seiner großartigsten Rollen in diesem kriminalistischen Rachethriller, in dem er einen am PTSD-Syndrom leidenden Veteranen und Auftragskiller darstellt, der ein entführtes Mädchen retten soll. Dabei findet er sich jedoch bald in den dunklen politischen Verschwörungen rund um einen Menschenhandelsrings wieder. Die schottische Regisseurin Lynne Ramsay nimmt die Kriminovelle „Bored to Death" von Jonathan Ames als Thema, fügt abgedroschene Genre-Charakteristiken hinzu - wir haben alle schon Taxi Driver, Logan und John Wick Filme gesehen, oder? - und stattet den Film mit enormem Know-How, nervenaufreibender Intensität, psychologischen Nuancen und einem Gefühl des schleichenden Unwohlseins aus, das wirklich unter die Haut geht. Großartig und beunruhigend.

Autor: Stephen Rebello, Playboy US

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